Anfänglich schlossen sich fast alle Zeitungen der Sympathie der Bevölkerung mit den BesetzerInnen an und berichteten durchgehend positiv über das Waldcamp. Das Bild von den friedlichen Hippies die dort im Wald ihr Lager aufschlugen fand sich in fast allen Publikationen wieder.
(Bild: Bau der "Hütte der Bürgerinitiativen")
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wurden die WaldbesetzerInnen , noch im Juli, als "junge Menschen zwischen 20 und 30. Umweltaktivisten, Aussteiger, Rebellen, die auf der Suche nach einer neuen Aufgabe sind" beschrieben. Peter, einer der Aktivisten, wird zitiert: „Wissen sie, wir sind hier alles friedliche Leute. Auf der Suche nach einer alternativen Lebensform.“ Auch die Solidarität der AnwohnerInnen wird hervorgehoben. Von Chaoten und Gewalttätern ist nirgends die Rede. Im Gegenteil: Sogar eine Unterüberschrift ist dem "Plädoyer für Gewaltlosigkeit" der BesetzerInnen gewidmet. Der gesamte Artikel¹ baut ein positives Bild auf, und romantisiert das Leben im Wald wo es nur geht.
Gleiches Blatt, gleiche Autorin, einen Monat später.² Das Bild hat sich gewandelt. Ohne (für die BesetzerInnen) ersichtlichen Grund berichtet Frau Iskandar (die Journalistin) jetzt eher kühl und mit Abstand. Sie scheint den Äußerungen von

Volker Bouffier, dem Hessischen Innenminister, mehr glauben zu schenken als ihren eigenen Augen. Bouffier hatte die WaldbesetzerInnen vor einer "Radikalisierung" gewarnt und sich den unbelegten Behauptungen von Kelsterbachs Bürgermeister Ockel angeschlossen, es gäbe militante Bereitschaften die nur auf eine Räumung warten würden um Krawalle zu starten.
Kurz darauf erschien ein Artikel in dem die FAZ, der von "angespitzen Stöcken" und anderen Dingen berichtete, die auf Gewaltbereitschaft im Camp schließen lassen. Niemand hat diese Stöcke davor oder danach finden können, weder JournalistInnen noch BesetzerInnen oder BesucherInnen. Es lässt sich nicht nachvollziehen wie diese Behauptungen zustande kamen. Zwar besteht die Möglichkeit, dass solche Utensilien sofort nach dem Artikel vernichtet wurden, doch dafür gibt es keine Indizien. Katharina Iskandar wurde danach auf der Frankfurter "Nachttanzdemo", am 2. Oktober, von mehreren in schwarz gekleideten WaldbesetzerInnen, erregt auf die Artikel und ihre Meinungsänderung zum Waldcamp angesprochen und schloss daraus auf eine Verbindung von gewaltbereiten Autonomen und WaldbesetzerInnen.
(Bild: Baumhäuser auf der Waldbesetzung)
So schnell können aus friedlichen UmweltaktivistInnen potentielle GewalttäterInnen werden. Hinzu kommt, dass viele andere Medien sich auf die Berichterstattung der FAZ verlassen und deren Informationen und Standpunkte nicht hinterfragen.
Am letzten Wochenende fand im Wald, zum Anlass einer Angekündigten Räumung, das "Unräumbar-Festival" mit 200-300 BesucherInnen statt. auch eine FAZ-Fotografin war anwesend und wollte Bilder vom Festival machen. Die WaldbewohnerInnen, verständlicherweise wütend über die (für sie negativen) Artikel, verwehrten ihr aber mit Transparenten die Foto-Möglichkeiten und den Zutritt zum Camp. Polizei-Einsatzleiter P. Seiler wurde hinzugerufen, diskutierte mit den BesetzerInnen und nach einer Weile zog die Reporterin unverrichteter Dinge wieder ab.
Und nun kommt es Knüppelhart für die BesetzerInnen³: In einem neuen FAZ-Artikel wird erklärt, dass die Gruppe der BesetzerInnen "zwar nicht größer, dafür aber um einiges aggressiver
geworden" sei. Das erste Indiz, seien die neu hinzugekommenen Hütten auf dem Boden und in den Bäumen. Daraus allerdings eine Radikalisierung abzuleiten ist bestenfalls ein Missverständnis. Die Hütten, an denen schon seit dem Sommer beharrlich gearbeitet wird, dienen laut den BewohnerInnen dem Schutz vor Kälte und Sturm, wovon es in letzter Zeit reichlich gibt.
(Bild: Ökologisches Bauen oder aggressives Verhalten? Eine Hütte im Camp)
Danach geht die Zeitung auf den Zwischenfall mit der Fotografin ein: Die Zeitung schreibt, dass Reporter die, "aus Sicht der Besetzer nicht
wohlwollend über die Gruppe beri

chten", unter "Drohgebärden" aus dem Wald getrieben werden und, wenn sie nicht gehen wollten, Gewalt angedroht werde. Natürlich wird nicht darauf eingegangen, dass es eine FAZ-Reporterin war. Ein anwesender Fotograf berichtete, dass von "Drohgebärden" oder Gewaltandrohungen keine Rede sein kann. Die WaldbesetzerInnen hätten der Reporterin nur klargemacht, dass sie nicht erwünscht sei und versucht das Camp und die Anwesenden vor Fotos abzuschirmen. Zudem sei schon nach kurzer Zeit der Polizei-Einsatzleiter Seiler erschienen und hätte versucht die Situation zu klären. Er wäre vermutlich eingeschritten, wenn es zu Drohungen gekommen wäre.
(Bild: Die BesetzerInnen schirmen sich und das Camp ab|foto: P.E.)
Helmut Schwan setzt in seinem Kommentar
4 noch

einen drauf und meint es habe "den Anschein, als bereite man
eine gewaltsame Auseinandersetzung vor." Anscheinend können die WaldbesetzerInnen* noch so oft beteuern, dass sie keine Gewalt wollen und auch im Falle einer Räumung keine anwenden werden, ohne dass dies eine Wirkung auf die Reporter der FAZ hat. Dort will man einfach nicht verstehen, dass das Camp für die AktivistInnen auch eine Art Zuhause darstellt und sie einfach keinen anderen Ausweg wissen, als JournalistInnen die eine derartig undifferenzierte Berichterstattung gegen sie betreiben, des Camps zu verweisen.
(Bild: Wehrsportübung? Eine Feuershow der Theatergruppe "Antagon" beim Festival im Wald.|Foto: P.E.)
Vielen im Camp kommt es so vor, als wolle die FAZ der näherrückenden polizeilichen Räumung den Weg bereiten und die Solidarität der Bevölkerung möglichst klein halten.